Über Law Clinics

Was ist eine Law Clinic?

Law Clinics sind praxisorientierte Ausbildungsangebote an juristischen Fakultäten, in denen die Studierenden ehrenamtliche Rechtsberatung leisten. Die Studierenden erwerben dabei – ähnlich wie im klinischen Medizinstudium am Krankenbett – in der praktischen Arbeit Fachkenntnisse und Praxiskompetenzen.

Stets geht es darum, in gesellschaftlich relevanten Bereichen den Zugang zu hochwertiger, kostenloser Rechtsberatung zu eröffnen. In manchen Clinics arbeiten Studierende ein ganzes Semester oder sogar zwei an umfangreichen Expertisen für Nichtregierungsorganisationen, die z.B. strategische Prozessführung betreiben; andere Clinics orientieren sich auf die individuelle Rechtsberatung in Sprechstunden.

Inzwischen existieren an vielen deutschen Universitäten Law Clinics mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Vor allem Refugee Law Clinics gibt es immer mehr; die erste startete 2007 in Gießen.

Warum eine Law Clinic?

Für die Rechtssuchenden liegen die Vorteile auf der Hand: Sie erhalten hochwertige, kostenlose Rechtsberatung. Doch auch die rechtswissenschaftlichen Fakultäten erkennen zunehmend die Attraktivität des Ausbildungsformats Law Clinic.

Für die Studierenden bedeuten Law Clinics eine Möglichkeit, ehrenamtliches Engagement und Studium miteinander zu verbinden und dabei vertiefte Kenntnisse in einem gesellschaftlich relevanten Bereich zu erwerben. Zudem bieten die vorgeschriebenen Studienpraktika nur im geringen Umfang Möglichkeiten zur eigenverantwortlichen, längerfristigen praktisch-juristischen Arbeit. In einer Law Clinic erlernen Studierende nicht nur die Rechtsanwendung an sich, sondern auch das professionelle Auftreten nach außen, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein, organisatorische Fähigkeiten und den produktiven Umgang mit Herausforderungen und Konflikten in diversen Settings.

Für die Universität bedeuten Clinics zum einen eine Möglichkeit, die gesellschaftliche Aufgabe der Hochschulen in besonderer Weise durch einen Wissenstransfer in die Praxis zu verwirklichen. Eine Law Clinic fördert außerdem den kollegialen Zusammenhalt zwischen den Studierenden – nicht nur arbeiten die Studierenden für einen gemeinsamen sozialen Zweck, es können sich auch Fortgeschrittene und Anfangssemester austauschen. Die Refugee Law Clinic setzt intensiv auf Gruppenübungen und fördert Kompetenzen für die fachliche Zusammenarbeit. Law Clinics ermöglichen so ein partizipatives Lernen bei hoher Eigenmotivation, das besonders hohe Lernerfolge erzielen kann.

Für die Gesellschaft sind Law Clinics ebenfalls von Bedeutung: Hier werden verantwortungsbewusste, reflektierte und sozial hoch kompetente JuristInnen ausgebildet, die bereits während des Studiums mit Ausgrenzungserfahrungen konfrontiert werden und durch ihre Arbeit zum Ausgleich gesellschaftlicher Ungleichheiten beitragen. Als Berufstätige, die oft in Entscheidungspositionen landen, werden sie durch diese Erfahrungen nachhaltig geprägt sein und ihre Expertise weiterhin in gesellschaftlich verantwortungsvoller Weise einsetzen wollen.

Über Refugee Law Clinics

Interviewreihe im JuWissBlog: „Refugee Law Clinics: soziales Engagement als praktische Kritik an der universitären Juristenausbildung?“ (Jan. 2016)

SZ, 16.12.2015: Wenn Jurastudenten Flüchtlinge beraten

Der Spiegel, 15.11.2013: Studentische Rechtsberatung für Asylbewerber: Die Fluchthelfer

DW, 07.04.2013: Law Clinics: Spielwiese für Jura-Studenten

FAZ, 17.09.2014: Law Clinics: Jura-Studenten machen sich nützlich

 

Der Artikel ist auch in English verfügbar.